Das Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept (ILEK)
Um eine auf die jeweilige Region zugeschnittene Entwicklungskonzeption zu erarbeiten, ist es notwendig, dass die regionalen Akteure sowie die einzelnen Bürgerinnen und Bürger durch ihre Mitarbeit und ihre Ideen in Veranstaltungen und Arbeitskreisen die entscheidenden Impulse zur Strategieerarbeitung liefern. Trotz der offen zu gestaltenden Vorgehensweise, lässt sich die ILEK-Erarbeitung schematisch darstellen: Am Anfang steht die zentrale Frage, wie die Ausgangsbedingungen für die weitere regionale Entwicklung und für eine Steigerung der regionalen Wertschöpfung aussehen. Hierzu ist es notwendig, im Rahmen einer Stärken-Schwächen-Analyse die Standortfaktoren zu bewerten sowie neue potenzielle Wertschöpfungsketten zu ermitteln. Im nächsten Schritt geht es darum, aus der erarbeiteten Analyse erfolgsträchtige Entwicklungsfelder und Projektideen abzuleiten. Die Schwerpunktthemen und zugeordneten Projektthemen werden in dieser Phase nach Beurteilungskriterien geprüft und bewertet. Ziel ist es, ein Projektportfolio zu erstellen, das ein Ranking der Projektthemen aufweist. Im anschließenden Schritt werden die interessantesten Projektthemen durch eine Projektplanung weiter präzisiert. Als Ergebnis erhält man qualifizierte Projektskizzen, die den wichtigsten Teil des ILEK-Ergebnis-berichtes darstellen. Beim Übergang vom ILEK in das ILE-Regionalmanagement müssen dann die Konzeptionen verschiedener Verbandsgemeinden in einen für die größere Gebietskulisse schlüssigen Rahmen überführt werden.
Integriert bedeutet dabei, dass neben der Landwirtschaft auch alle anderen Themenbereiche des ländlichen Raumes ins Auge gefasst werden. Durch diesen Ansatz können Wechselwirkungen zwischen den Themenbereichen erkannt und Konflikte gelöst werden. Das ILE hat die Zielsetzung, die Strukturen in der Land- und Forstwirtschaft zu verbessern. Es wurde allerdings erkannt, dass die Erweiterung des Gesichtsfeldes über den Tellerrand der Land- und Forstwirtschaft hinaus, eine Steigerung der Wertschöpfung der gesamten Region bedeuten kann. So werden beim ILEK u.a. das Handwerk, das Gewerbe, der Handel, der Naturschutz, die Dorferneuerung, der Tourismus und die Infrastruktur gleichberechtigt neben der Land- und Forstwirtschaft betrachtet. Mit diesem integrierten Ansatz wird eine Aufwertung der gesamten Region angestrebt.
Wichtig beim ILE-Prozess ist, dass die Bevölkerung und die regionalen Akteure von Anfang an mit einbezogen werden. Experten aus Verwaltung und Privatwirtschaft steuern den Prozess, aber das Gelingen des Konzeptes ist abhängig von dem Engagement der Menschen vor Ort. Hauptziel eines ILEK ist es, Erfolg versprechende Projekte auf den Weg zu bringen. Die Projekte sollen während des anschließenden Regionalmanagements realisiert werden, aber möglichst noch in der ILEK -Phase starten. Die allgemeinen Ziele sind:
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die regionale Identität zu fördern,
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die regionale Wirtschaft und Landwirtschaft/Weinbau zu stärken, um die Schaffung von Arbeitsplätzen vor Ort zu sichern und auszubauen,
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der Abwanderung aus den Dörfern entgegen zu wirken und die Attraktivität der Dörfer insbesondere für Familien und junge Menschen zu steigern,
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die wohnortnahe soziale Infrastruktur (Kindergärten, Schulen etc.) sicherzustellen,
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die wohnortnahe Versorgung mit Waren des täglichen Bedarfs und medizinische Dienstleistungen sicherzustellen,
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das Zusammenleben von Alt und Jung zu verbessern und die Attraktivität der Region für Senioren zu erhöhen,
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die Mobilität nicht motorisierter Bevölkerungsgruppen zu gewährleisten,
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die touristischen Angebot qualitativ zu verbessern (Wein-, Wander-, Gesundheits- und Radtourismus),
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die Naherholungsfunktion der Region zu betonen und auszubauen,
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bei der regionalen Energieversorgung, auf künftige Entwicklungen vorbereitet zu sein.

Jedes Gebiet hat seine eigenen Stärken, die Landschaften haben typische Besonderheiten, die Menschen vor Ort zeichnen sich durch eigene Talente aus. Da jede Region auf diese Art unverwechselbar ist, verfügt auch jede Region über ihre eigenen Entwicklungschancen. Analog verhält es sich mit den Schwächen und den daraus resultierenden Risiken. Um gezielter untersuchen zu können, war es hilfreich, die Stärken-Schwächen-Analyse zu verschiedenen Themenbereichen einzeln durchzuführen.
Nach ersten Gesprächen und Vorüberlegungen mit den Verwaltungen der drei Gebietskörperschaften sind zur Verifizierung der in einer Struktur- bzw. Agrarstrukturanalyse festgestellten Stärken und Schwächen zehn Fachgruppen benannt worden. Die Fachgruppen im Leiningerland sind:
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Landwirtschaft
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Weinbau
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Regionale Wirtschaft
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Dorfinnenentwicklung
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Tourismus
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Kinder-, Jugend- und Familie
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Senioren und Gesundheit
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Verkehr und Energie
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Forstwirtschaft
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Kultur und Sport
Neben den Fachgruppensitzungen wurden 24 Bürgermeistergespräche geführt. Die Ergebnisse der Gespräche sind in die vorliegende Struktur-, Agrarstruktur- sowie Stärken-Schwächen-Chancen-Risiken-Anlayse (SWOT) eingeflossen.
Weiteres Vorgehen
Die wichtigste Veranstaltung des ILEK – Prozesses ist die zentrale Auftaktveranstaltung. Zur Auftaktveranstaltung wird öffentlich eingeladen. Mit der Auftaktveranstaltung werden zwei Ziele verfolgt: Zum einen geht es um die Information und Motivation der Anwesenden. Das Beratungszentrum für kommunale Kinder-, Jugend-, Bürgerinnen- und Bürgerbeteiligung (KOBRA), welches die Veranstaltung moderiert, stellt sich vor und erläutert den Ablauf des ILEK - Prozesses. Zusätzlich kommen hochrangige Vertreter der Verwaltung zu Wort. Sie stellen die Bedeutung des ILEK heraus und bringen den Anwesenden die Förderbedingungen näher. Das zweite Ziel ist, die Interessen und Ideen der Bevölkerung zu ermitteln. Hierzu haben die anwesenden Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit in einer oder auch mehreren Arbeitsgruppen mitzuarbeiten, die an diesem Abend vorgestellt werden. Folgende Arbeitsgruppen werden angeboten:
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Tourismus, Landwirtschaft und Weinbau
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Regionale Wirtschaft
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Kommunale Entwicklung
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Gesellschaftliche Entwicklung
Neben bereits in den regionalen Fachgruppen erarbeiteten Projektvorschlägen haben in diesen Arbeitsgruppen alle Bürgerinnen und Bürger des Leiningerlandes die Möglichkeit Projektvorschläge zu machen und zu diskutieren. Um möglichst viele Bürgerinnen und Bürger zu erreichen werden in den Tagen nach der zentralen Auftaktveranstaltung weitere fünf dezentrale Informationsveranstaltungen im Leiningerland durchgeführt (Großkarlbach, Altleiningen, Hettenleidelheim, Bockenheim und Ebertsheim).
Es ist vorgesehen, die gebildeten Arbeitskreise während des gesamten ILEK - Prozesses mindestens vier Mal tagen zu lassen. Ein Arbeitskreis könnte aus bis zu 30 Personen bestehen, ein Sitzungsraum einer Gemeindeverwaltung könnte also als Veranstaltungsort geeignet sein. Ein Mitarbeiter von KOBRA leitet das Arbeitskreistreffen. Der Moderator wird die Diskussion der Anwesenden steuern und Zwischenergebnisse festhalten. Zu Fachthemen werden Experten eingeladen. Die Protagonisten der Veranstaltung sind aber die Bevölkerung und die regionalen Akteure. Die aktive Mitarbeit der Frauen und Männer der Region in den Arbeitskreisen entscheidet über das Gelingen des ILEK: Die Zielstellung der Arbeitskreistagungen in der Strategiephase ist es, dass die regionalen Akteure aus den Themenfeldern:
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Schwerpunktthemen bilden (Handlungsfelder)
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dafür Entwicklungsziele benennen,
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erste Projektideen entwerfen und
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einige Projektideen verfeinern und gewichten.
Hierbei ist der Weitblick der Akteure gefragt. In der späteren Projektphase sollen die (vier bis sechs) aussichtsreichsten Projektideen so weit konkretisiert werden, dass der Umsetzung nichts mehr im Wege steht. In dieser Phase kommt es also darauf an, zwischen den vielen Projekten zu gewichten, und schließlich die besten Projektideen zu favorisieren. Um diese Gewichtung vornehmen zu können bedarf es gewisser Entscheidungskriterien. Damit sind Anhaltspunkte gemeint, mit denen die Projektideen auf ihre Hieb- und Stichfestigkeit abgeklopft werden. Solche Anhaltspunkte könnten sein:
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Hintergrund ( Vorkenntnisse, Erfahrungen, Vorarbeiten)
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Ziele ( Erwartete Mehrnutzen und Wirkungen, Vorbildfunktion)
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Vorgehensweise (Aufwand, Hemmnisse, erste Schritte)
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Trägerschaft (Wer ist verantwortlich?)
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Beteiligte Akteure ( Beratung/Begleitung, Unterstützer, Beteiligung Dritter)
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Kosten (Wie teuer? Wie bezahlen?)
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Finanzierung ( Finanzierungsmöglichkeiten, Fördermöglichkeiten)
Am Ende dieser Phase steht die Projektthemenliste. In dieser Liste (auch regionspezifisches Projektportfolio genannt) finden sich die aussichtsreichsten Projekte aus allen Arbeitskreisen wieder. Nicht alle Projektideen können aufgrund begrenzter Ressourcen im ILE weiterverfolgt werden. Deshalb muss in der Projektthemenliste ein Ranking vorgenommen werden, um die absolut besten Projekte für die Umsetzungsphase herauszufiltern: Die Leuchtturmprojekte.
In der nun folgenden Projektphase stehen zwei Fragen im Mittelpunkt des Interesses:
Wie kann eine erfolgreiche Projektumsetzung gelingen, welche Projekte können sofort gestartet werden und welche Schlüsselfiguren engagieren sich für die Projekte?
Die Projektthemenliste bildet die Grundlage der Arbeit in der Projektphase. Die fünf bis zehn aussichtsreichsten Projekte werden unter der Federführung der Steuerungsgruppe ausgewählt, um nun gezielt zur Umsetzung gebracht zu werden.
Die Gelder für Fördermaßnahmen im Bereich der Integrierten Ländlichen Entwicklung sind, wie in allen anderen Bereichen, knapp bemessen und nicht dauerhaft verfügbar. Leuchtturmprojekte sollten Innovationscharakter haben. Nichts ist enttäuschender, als wenn ein Projekt nach viel versprechender Planung aus Mangel an Mitteln nicht umsetzbar ist. Die Trägerschaft und die Finanzierung eines Leuchtturmprojektes sollten deshalb solide sein, so dass der Start schnell erfolgen kann. Deshalb müssen die Projekte auf lange Sicht tragfähig sein. Der Unternehmergeist der Projektträger ist gefragt. Die Auswahl der fünf bis zehn Leuchtturmprojekte bedeutet natürlich nicht das Aus für die unberücksichtigt gebliebenen Ideen. Erfolgversprechende Ansätze sollten in jedem Fall in einem anderen Rahmen weiterverfolgt werden.
Es gibt nun zwei Möglichkeiten, die weitere Arbeit zu organisieren. Entweder werden die Arbeitskreise in ihrer Zusammensetzung beibehalten oder es werden aus den Arbeitskreisen Projektteams gebildet. Die Entscheidung darüber fällt in der Steuerungsgruppe, die den gesamten Prozess begleitet. Einzige Zielstellung der Projektteams ist es, auf die erfolgreiche Umsetzung hinzuwirken.
Im November 2009 erfolgt die Abschlussveranstaltung zum ILEK. Die Abschlussveranstaltung ist eigentlich eine Zwischenstation. Diese öffentliche Veranstaltung bietet Gelegenheit, die erarbeiteten Ideen einem breiten Publikum vorzustellen und erzielte Erfolge beim Start einiger Projekte zu präsentieren. Das Planungsbüro und eventuell anwesende hochrangige Vertreter der Verwaltung bekommen Gelegenheit, die erzielten Ergebnisse zu würdigen und auf den bevorstehenden Weg bei der Umsetzung der Projekte hinzuweisen.




